Was ist in den letzten Jahrzehnten im Bereich der Arbeitszeiten und der Löhne in Deutschland passiert? Wir wollen einige Daten rund um die Arbeitswelt aus den letzten 60 Jahren zusammentragen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Mai 1949 aus den drei Zonen der westlichen Siegermächte die Bundesrepublik Deutschland gegründet, aus der sowjetischen  Zone entstand die Deutsche Demokratische Republik. Bis zum Jahr 1989 (Mauerfall) blieb Deutschland geteilt, deshalb sind konkrete Vergleiche von damals zu heute erschwert und wir beziehen unseren Vergleich auf die damalige Bundesrepublik Deutschland.

In der Mitte der fünfziger Jahre betrug die Durchschnittsarbeitzeit im Jahr in ca. 2.400 Stunden, 1970 wurden im Jahresschnitt 1.956 Stunden gearbeitet, heute liegen wir bei etwa 1.397 Stunden jährlich.

Bis 1956 war die 6-Tagewoche üblich, ab diesem Zeitpunkt wurde sukzessive auf 5 Arbeitstage in der Woche umgestellt.

Im Mai 1961 wurden 153 161 Arbeitslose registriert, was im Prinzip eine Vollbeschäftigung bedeutete, im August 2014 meldete die Bundesagentur für Arbeit 2.733.000  Arbeitslose.

1960 wurde im Schnitt ein Jahreslohn  von 3.144  Euro gezahlt, 2009 waren es 21.479 Euro durchschnittlich und im vergangenen Jahr lagen wir bei 31.089 Euro/Jahr. In Kaufkraftstudien wird aufgezeigt,  dass man sich 1960 für eine Arbeitsstunde gerade einmal fünf Eier kaufen konnte, während  man sich 2009 bei gleicher Arbeitsdauer rund 75 Eier in den Einkaufswagen packen hätte packen können.

Wie ist das mit den Urlaubstagen? Im Jahr 1963 wurde das Bundesurlaubsgesetz verkündet, in dem 24 Urlaubstage bezogen auf eine 6Tage-Woche als Mindestmaß im Jahr festgelegt wurden. Hier hat sich im letzten halben Jahrhundert nicht viel geändert, denn der tarifliche Urlaub liegt bei 20 Werktagen, berechnet wird nach einer 5Tage-Woche.

Rechnet man nur diese Fakten zusammen, arbeiten wir heute entschieden weniger als unsere Eltern oder Großeltern, haben eine entschieden höhere Kaufkraft als beispielsweise 1960 und sind beim Urlaub zumindest auf dem gleichen Niveau geblieben.

Wo viel Licht ist, ist aber bekanntlich auch Schatten. Während Deutschland von vielen in Bezug auf die Arbeitszeiten als „Freizeitland“ beschrieben wird, wird von anderen Seiten Kritik laut. Es  wird beanstandet, dass  zwar die Arbeitszeit moderat ist, in dieser Zeit aber die Leistung für ein wesentlich höheres Zeitkontingent erbracht werden muss. Rund 40 Prozent der Arbeitnehmer haben in einer Umfrage angegeben, dass sie unbezahlte Überstunden leisten müssen.  Oftmals wird auch eine „Rufbereitschaft“ kritisiert, was bedeutet, dass Arbeitnehmer auch während ihrer Freizeit telefonisch oder elektronisch kontaktiert werden. Der Stresspegel liegt bei vielen hoch und das Burnout-Syndrom“ befindet sich auf dem Vormarsch.

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