Was bewegt einen Personalchef am meisten dazu, Ihnen eine Chance in seinem Unternehmen zu geben?

Ist es das besonders schöne Foto in der Bewerbung oder vielleicht die perfekt geschriebene Bewerbung? Oder aber ein gut strukturierter Lebenslauf? Ihre fachlichen und persönlichen Kompetenzen? Das sind alles Komponenten, die eine wichtige Rolle spielen, der Schwerpunkt liegt allerdings vielfach auf der (nachweisbaren) Qualifikation.

Das WZB (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) hat sich mit dem Thema Qualifikation beschäftigt und kommt zu dem Schluss, dass „formal gering qualifizierte Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung oder Studium“ geringere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, als Personen mit Hochschulabschluss oder einer abgeschlossenen Berufsausbildung. (Als „gering qualifiziert“ gilt man innerdeutsch in dieser Studie, wenn man keinen der vorgenannten Abschlüsse vorweisen kann.)

Der Anteil von Erwerbspersonen im Alter von 25 bis zu 55 Jahren ohne derartige Qualifikationen hat zwar in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich abgenommen, liegt aber immer noch bei 17 Prozent der gesamtdeutschen Bevölkerung.

In der o.g. Studie wurde die Gruppe der 25- bis 54jährigen Männer unter die Lupe genommen, der Schwerpunkt lag auf den „alltagsmathematischen Kompetenzen“, hierzu wurden auch die Daten der PIAAC Studie in Ansatz gebracht. Ausgenommen wurden Männer unter 30 Jahren, die sich in der Ausbildung befanden oder studierten.

Die alltagsmathematischen Kompetenzen waren in fünf Stufen unterteilt worden.

  • In der Kompetenzstufe 1 werden grundlegende Rechenarten gefordert, wie zum Beispiel einfache Prozentrechnung und Addition, 
  • in der Kompetenzstufe 2 findet man Aufgaben zur Interpretation von Statistiken (als Grafik oder Text) oder Rechnen mit einfachen Dezimalzahlen. 
  • Stufe 3 ist dementsprechend höher angesiedelt und entspricht einer Ausübung von eher anspruchsvollen Tätigkeiten – diese Aufgaben wurden von 17 Prozent der als gering qualifiziert eingestuften Männer gelöst. Über 50 Prozent der Männer wurden in der Kompetenzstufe 1 erfasst und rund 30 Prozent in der Stufe 2.

Zu diesen und anderen Ergebnissen wurde die entsprechende Erwerbstätigkeit in Relation gesetzt und es zeigte sich, dass die Kompetenzen in Deutschland wohl keine positive Auswirkung auf Chancen am Arbeitsmarkt haben, ein formaler Abschluss jedoch (wie oben beschrieben) hoch bewertet wird.

Will man sich also am Arbeitsmarkt behaupten, sollte man sich bei einer geringeren Qualifikation  ausgiebig mit dem Thema „Weiterbildung“ befassen und dies dann auch durch Zeugnisse und/oder Zertifikate belegen können. Ausschlag gebend für die berufliche Tätigkeit scheint demnach nicht das tatsächliche Wissen zu sein, das man hat, sondern die Tatsache, dass man dieses Wissen mit  einem formalen Abschluss belegen kann.

 

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