Erstaunlich viele Firmen vergeben nicht nur noch für dieses Jahr Lehrstellen, nein, sie suchen sogar fast verzweifelt nach Auszubildenden und haben teilweise diese Suche sogar schon fast aufgegeben.

Die IHK Nordrhein-Westfalen bzw. der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) berichten, dass rund 20.000 Lehrstellen im Handwerk für das laufende Ausbildungsjahr unbesetzt sind, was einen Prozentsatz von ca. 20 Prozent aller Ausbildungsplätze ausmacht. Diese Zahl könnte noch um einiges höher sein, denn nicht alle angebotenen Lehrstellen werden den Kammern gemeldet.

Während das Lehrstellenangebot im Vergleich zum Vorjahr um 5.000 Ausbildungsplätze erhöht worden ist, ist die Zahl der Bewerbungen für eine Ausbildung im handwerklichen Bereich rückläufig. Zwar konnten bis Ende September 128.498 Verträge für eine Ausbildung unterzeichnet werden, es wird allerdings künftig ein zunehmender Fachkräftemangel befürchtet, wenn sich die derzeitige Tendenz fortsetzt. Besonders im Friseurhandwerk und im gastronomischen Bereich tun sich viele Betriebe schwer, Lehrlinge zu finden.

Was ist der Grund dafür? Viele Jugendliche streben eine höhere Schulbildung an, wollen nicht im handwerklichen Bereich tätig sein, bevorzugt werden Abitur und anschließendes Studium. Ebenso wollen viele Eltern ihre Kinder lieber in einem akademischen Beruf sehen, als in einem handwerklichen.  Pressemeldungen zufolge sinken die Ausbildungsplätze in der dualen Ausbildung, während sich die Ausbildungsgänge an Hochschulen erhöhen.

So gehen Handwerksbetriebe auf Ausbildungsmessen, stellen sich in Schulen vor und stellen Prämien in Aussicht, wenn ein Ausbildungsvertrag unterzeichnet wird.
Was lassen sich Betriebe einfallen, um einen Azubi oder eine Azubine zu bekommen? Von einer Firma wird die Ausbildungsvergütung um bis zu 350,– Euro monatlich aufgestockt. Es gibt Boni für das Erreichen eines bestimmten Notendurchschnittes an der Berufsschule, Prämien für gutes Verhalten.
Ein Handwerksmeister schickt seine Lehrlinge auf seine Kosten zu Weiterbildungen ins Ausland, zahlt seinen Lehrlingen sogar die Unterkunft und das Essen während ihres Aufenthaltes.
Mitunter stellt der Ausbildungsbetrieb seinen Auszubildenden den Firmen-PKW auch zur privaten Nutzung zur Verfügung oder erteilt eine Freistellung für die Fahrschule.

Besonders kleine Betriebe haben mit der Bewerbungsunlust fürs Handwerk zu kämpfen und freuen sich über die viel zu seltenen Bewerbungen für eine Ausbildung, die auf ihrem Tisch landen. Immer in der Hoffnung, doch noch ausbilden zu dürfen. Mit einer Initiativbewerbung können auch jungen Menschen punkten, die eine Lehre suchen, denn sie zeigen damit Motivation und Eigeninitiative!

* Foto: © Robert [email protected]