Zwei Drittel der Asylbewerber, die nach Deutschland kommen, sind im erwerbsfähigen Alter. Viele von ihnen könnten und würden arbeiten – wenn es ihnen erlaubt wäre.

Reist man als Asylsuchender in Deutschland ein, unterliegt man zunächst drei Monate lang der so genannten Residenzpflicht und hat ein Arbeitsverbot. Das bedeutet, dass man sich nur in einem bestimmten Bereich aufhalten kann, der – je nach Bundesland unterschiedlich – behördlich vorgegeben wird, wenn der eigene Lebensunterhalt nicht gesichert ist. Es gibt unterschiedliche Regelungen in verschiedenen Gesetzen für Asylbewerber und für Geduldete.

Erst wenn eine Arbeitserlaubnis erteilt worden ist, dürfen diese beiden Personengruppen auch arbeiten. Nach drei Monaten Aufenthalt ist das bedingt in Einzelfällen möglich, nach 15 Monaten wird die generelle Arbeitserlaubnis erteilt.

Die Bertelsmann Stiftung hat jetzt ihre Studie zur Bearbeitungsdauer von Asylanträgen veröffentlicht. Demzufolge warteten Ende des vergangenen Jahres 221.195 Flüchtlinge auf den Bescheid zu ihrem Antrag. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit liegt der Studie zufolge bei 7,1 Monaten, wobei Flüchtlinge aus Pakistan und Afghanistan am längsten (bis zu 17,6 bzw. 16,5 Monate) warten müssen.
2014 waren insgesamt 202.645 Anträge gestellt worden, Ende 2013 waren noch 134.015 Anträge in Bearbeitung gewesen.
Zu berücksichtigen ist außerdem, dass ein gewisser Prozentsatz gerichtlich geklärt werden muss.

Laut der Studie ist es für Asylsuchende während der Wartezeit nur in fünf Bundesländern möglich, die deutsche Sprache zu lernen, was wiederum ein wichtiges Kriterium ist, um mit der Arbeitserlaubnis einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu erhalten.

Wer vor Ablauf der Wartezeit einen Antrag auf eine Arbeitsgenehmigung stellt, muss sich der „Vorrangprüfung“ unterziehen. Das bedeutet, dass die Bundesagentur für Arbeit und die Ausländerbehörde prüfen, ob die freie Stelle von einem Deutschen oder einem EU-Ausländer besetzt werden könnte. Gibt es geeignete Bewerber, darf der Arbeitgeber einen Asylsuchenden nicht einstellen, die Prüfung dafür kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen. So warten unter anderem hochqualifizierte Arbeitskräfte wie Ärzte und Ingenieure darauf, arbeiten zu dürfen.

Die Agentur für Arbeit bietet zwar Berufsorientierungskurse an  – aber hierfür fehlen oftmals die dafür notwendigen Deutschkenntnisse bei den Asylsuchenden.

Für 2015 wird übrigens mit bis zu 450.000 Asylanträgen gerechnet. Auf dem kürzlich stattgefundenen „Flüchtlingsgipfel“ in Berlin wurde ein „Maßnahmenpaket“ angekündigt, das unter anderem eine Personalaufstockung im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vorsieht, um die Bearbeitungsdauer von Asylanträgen zu verkürzen.

 

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