Es gibt bekanntlich viele besondere Tage im Laufe des Jahres:
Geburtstage, Feiertage, Namenstage. Muttertag und Vatertag. Außerdem gibt es noch Welttage, Gedenktage und Aktionstage.

Da gäbe es zum Beispiel den internationalen Welthundetag und den internationalen Katzentag, den Tag des deutschen Butterbrotes und am 13. September könnten wir den Aktionstag des positiven Denkens feiern. Ob Sie es glauben oder nicht  – am 27. August ist der „einfach-so-Tag“.
Der Weinbergschnecke ist ein Tag gewidmet, der Waffel und sogar einen „Öffne-drinnen-einen-Regenschirm-Tag“ gibt es. Besonders nett ist der 16. Januar, das ist nämlich der „Tag des Nichts“. Manche Tage sind doppelt und dreifach belegt, andere Tage gehen vollkommen leer aus.

Ich hätte mehrere Ideen zu einem der benachteiligten Daten, die noch kein „Tag des…“ sind. Wie wäre es mit einem „Das-ist-nicht-mein-Tag“-Tag? Oder mit einem „Höre-auf-dein-Bauchgefühl“-Tag?  Nahezu jeder Mensch könnte sich damit identifizieren und wahrscheinlich gehören auch Sie dazu! Mein Tag heute ist übrigens eine Kombination aus beiden Vorschlägen.

Heute zum Beispiel ist der 23. November, der „Iss-eine-Cranberry-Tag“ und in Japan ein gesetzlicher Feiertag, der „Arbeitsdanktag“. Wir haben Montag und würden nur zu gern für ein Dreitage-Wochenende plädieren, Gefühl und Verstand gehen in den Clinch.
Kennen Sie das? Ihr Bauchgefühl sagt Ihnen „Tu das nicht!“ Ihr Verstand widerspricht: „So ein Quatsch, wer hört denn schon auf den Bauch?“ Heute Morgen war mein Bauch sicher gewesen: „Heidi bleib im Bett – das wird nicht DEIN Tag!“ Natürlich hatte der Verstand sofort etwas dagegen gehabt: „Kommt gar nicht in Frage – Steh sofort auf!“ So hatte ich mich postwendend fertig gemacht und war zur Arbeit gefahren. Der Bauch schimpfte. „Du wirst schon sehen, was du davon hast!“, während der Verstand sicher war: „Du tust das Richtige!“
Die erste Stunde des Tages verlief auch völlig komplikationslos, der Verstand triumphierte. Jedenfalls war alles in Ordnung bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich für meinen Chef zu einem Kunden fahren sollte. Und zwar mit seinem Auto. Weil das repräsentativer ist, als mein in die Jahre gekommener Kleinwagen. Mein Bauchgefühl empfahl mir, die Finger von dem feudalen Schlitten zu lassen. Aber wie sollte ich das begründen? Dass ich das Gefühl hätte, ich sollte Arbeitsverweigerung begehen und meinen Job riskieren? Sicher nicht!
Ich ließ mir also mutig die Fahrzeugpapiere und die Schlüssel geben und ging  zu besagtem Auto, das am Straßenrand parkte. Mein Blick streifte kurz den Gully, dessen Gitter sich unter dem Wagen befand. „Stell dir mal vor, da fällt etwas hinein….“  – „Was macht man denn da?“ schoss es mir durch den Kopf. Das war nur ein kurzer Gedankenblitz und mir fiel zum Glück noch ein, dass ich den Auftrag im Büro vergessen hatte. Die Zeit drängte und ich musste mich beeilen, so hetzte ich zurück.

Völlig außer Atem erreichte ich wenig später wieder das Auto und schloss die Beifahrertür auf. Handtasche und Unterlagen flogen schwungvoll auf den Beifahrersitz. Ich war wirklich nur den Bruchteil einer Sekunde unaufmerksam, doch das genügte. Wie in einem Film sah ich, wie die Autoschlüssel aus meiner Hand rutschten und sich der Erdanziehung folgend dem Boden näherten. Bevor ich zugreifen konnte, fielen sie nach unten……leider nicht auf den Boden, sondern durch das Gullygitter.

Fassungslos starrte ich ihnen hinterher, hörte noch das Platschen, als sie ins Wasser fielen und wurde völlig regungslos. Nun wusste ich wenigstens, dass ich künftig vielleicht mehr auf mein Bauchgefühl hören sollte und trat den Weg ins Chefbüro an, um zu beichten. Der 23. November wird vielleicht mein höchstpersönlicher „Nimm-dir-lieber-Urlaub“-Tag.

Ihre Heidi Initiativia

P.S. Man muss natürlich die Empfehlungen des Bauchgefühls relativieren und darf nicht alles eins zu eins umsetzen.
Also sagen Sie bitte nicht zu Ihrem Chef: “Diesen Auftrag werde ich nicht ausführen, weil mein Bauchgefühl dagegen ist!” 🙂