Manchmal gebe ich die Oberzicke in unserem Betrieb, so auch in folgendem Fall. Die Entscheidung, ob das berechtigt war oder nicht, überlasse ich meinen Lesern/Leserinnen. Sind Sie auch der Ansicht, dass es Dinge gibt, wo man sagt: Typisch Mann – Typisch Frau?

Meine Mitarbeiter sind überwiegend männlich, was meistens eine recht lockere Stimmung schafft. Ein bestimmtes Kontingent an Spannungspotential entfällt nämlich allein aus diesem Grund. Allerdings gibt es einige Dinge, die mich (zumindest bei meinen Kollegen) wirklich nerven. Allen voran steht die teilweise sehr mangelhafte Kommunikationsfähigkeit.
Sie müssen wissen, dass die Herren durchaus redselig sein können. Nämlich genau dann, wenn es um drei Dinge geht: Sport, Spiele und Smartphones. („Sport und Spiele“ – das klingt ein wenig nach dem alten Rom, was natürlich nicht beabsichtigt ist!) Zurück zum Thema: Kommunikation bzw. die Defizite dabei.

Vor einigen Tagen bekam ich die Aufgabe, eine Statistik zu erstellen, die Aufschluss über alle relevanten Produktionsdaten gibt. Wie Sie sich denken können, ist so etwas recht arbeitsintensiv. Als ich nach einigen Stunden endlich fertig war, klingelte das Telefon. Kollege Schmidt aus der Produktion war dran. Er wollte allerdings nicht wie erwartet die Daten von mir, sondern nur einen Termin beim Chef. So ganz nebenbei wollte er sicherheitshalber noch einmal (!?) bestätigen, dass ich die Tabelle nicht mehr zu machen brauchte. „Aber das hat dir Pepe sicher schon gesagt, oder?“ NIEMAND hatte mir etwas gesagt, ich beendete zähneknirschend das Gespräch und füllte den Papierkorb mit der Statistik.
Wenig später kam mein Chef von seinem Außentermin. „Frau Initiativia, ich brauche bitte die Statistik für das Meeting!“ Er meinte übrigens die Statistik, die ich soeben aus meinem digitalen Papierkorb entfernt hatte………

Was mich auch immer wieder gern nervt ist mangelndes Feedback. Bei manchen Dingen wüsste ich eben gern, ob meine Arbeit richtig war. Oder ich möchte einfach nur Antworten auf unbeantwortete Fragen. Vielleicht auch einfach mal ein wenig Anerkennung. Auch konstruktive Kritik ist besser als gar keine Reaktion. Ist das weibchenspezifisch? Ich denke nicht.

Nun folgt mein heutiges Highlight, was meiner Meinung nach nicht mehr zu toppen ist, obwohl ich erst seit wenigen Stunden im Büro bin. Wie fast jede Frau weiß, sprechen wir oft nicht die gleiche Sprache wie die Herren der Schöpfung. (Wer hat sich das eigentlich ausgedacht – „Die Herren der Schöpfung“?) Männer nehmen viele Dinge im besten Fall anders wahr, im schlimmsten Fall sehen sie einiges erst gar nicht. Wie könnte es sonst sein, dass das gleiche männliche Wesen, das unserer attraktiven Azubine galant die Tür aufhält und freiwillig ihre federleichte Tasche trägt, anscheinend mit Scheuklappen ausgerüstet ist, wenn alle Ordner des Vorjahres in den Aktenkeller sollen?
Ich hatte nämlich ein Experiment unter dem Aspekt der Eigeninitiative gewagt und diese Akten fein säuberlich neben meiner Tür im Flur gestapelt. Versehen mit einem Zettel daran, der die Aufschrift „Keller“ trägt. Der Grund dafür ist, dass ich keine Lust habe, jeden vergeblich nach Hilfe zu fragen.

Fröhlich pfeifend läuft Pepe an dem riesigen Stapel vorbei, riskiert aus dem Augenwinkel einen Blick und ist schon wieder weg. Wenig später kommt Igor um die Ecke, bleibt stehen und liest den Zettel. Dann zuckt er die Schultern und entfernt sich. Kurz vor Feierabend nähern sich Schmid und Smith, meine Hoffnungsträger in Sachen Transport. Die beiden sind jedoch so in ihr Gespräch über das letzte Fußballländerspiel vertieft, dass sie wahrscheinlich nicht einmal bemerkt hätten, wenn sich genau vor ihnen ein Loch im Boden aufgetan hätte. Das I-Tüpfelchen auf meinen Frust setzt der Seniorchef, als er kopfschüttelnd in mein Büro kommt. „Frau Initiativia – so geht das nun wirklich nicht! Sorgen sie dafür, dass hier Ordnung gemacht wird!“ Schon ist er wieder verschwunden.

Jetzt reicht es mir wirklich und ich stürme den Pausenraum, wo sich zum Feierabend traditionsgemäß alle Mitarbeiter kurz zusammensetzen. Wie ein Racheengel baue ich mich in der Tür auf, damit niemand entwischen kann. „Warum in aller Welt ist hier niemand in der Lage, mal etwas freiwillig zu tun?“ Verständnislosigkeit prallt mir entgegen, so dass ich erkläre, warum ich so genervt bin. Pepe schwört, nicht einen einzigen Ordner gesehen zu haben, während Igor erklärt, den Zettel zwar gesehen zu haben. Aber – er hatte sich dadurch nicht angesprochen gefühlt. Schmid und Smith sind sich wie immer einig: „Du hättest doch nur etwas zu sagen brauchen! Natürlich bringen wir den Kram in den Keller!“
Innerhalb weniger Minuten ist mein „Problem“ erledigt und nun überlege ich, dass ich mich vielleicht unnötig geärgert habe…….

In diesem Sinne wünsche ich allen einen guten Wochenstart!
Ihre Heidi Initiativia

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